UNTER- MITTELSTUFE

Die Klassenlehrerzeit

Der Klassenlehrer begleitet seine Klasse zusammen mit seinen Fachlehrern, dem Förderlehrer und der Schulärztin nach Möglichkeit von der 1. bis zur 8. Klasse. Dabei lernt er seine Schü­ler sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen. Auch die Schüler und Eltern lernen ihren Klassenlehrer sehr gut kennen. Durch diese intensive Bezie­hung kann der Klassenlehrer seinen Schülern eine verlässliche  Stütze sein. Unterstützt wird diese Beziehung in der Regel durch einen Hausbesuch des Lehrers bei dem Kind und seiner Familie. Durch die beständige, von Rhythmen geprägte Klassengemeinschaft, wird eine gesunde Entfaltung der Kinder angestrebt. Dazu gehören auch Schulfeiern, Feste im Jahres­lauf und Klassenfahrten. Im Hintergrund steht dabei das ganzheitliche Menschenbild Rudolf Steiners.

Der Klassenlehrer verantwortet insbesondere den Hauptunterricht, normalerweise täglich die erste Doppelstunde am Vormittag von 8.05 bis 9.45 Uhr, sowie eventuell zusätzliche Fach­stunden. Der Hauptunterricht wird in Epochen gegeben. Die Schüler können sich so drei bis vier Wochen lang intensiv mit einem Stoffgebiet auseinandersetzen. Klassenlehrer unter­rich­ten ihre Klasse in den Fächern  Lesen, Schreiben und Rechnen, Singen und Flöten, Heimat­kunde, Deutsch und Geschichte, Malen und Zeichnen, Mathematik und Geometrie, Astro­nomie und Gesteinkunde, Erdkunde, Biologie als Pflanzenkunde sowie Tier- und Menschen­kunde, Physik und Chemie. Nach dem Hauptunterricht übernehmen Fachlehrer den Unterricht in Fremdsprachen (Englisch und Russisch), Sport, Eurythmie, Musik, Religion, Gartenbau sowie in den künstlerisch-handwerklichen Fächern.

In den ersten acht Jahren wird im Hauptunterricht, abgesehen von der Lektüre, selten ein Schulbuch verwendet. Stattdessen führen die Schüler ein Epochenheft.

Auch die Klassengemeinschaft ist ein wichtiger Faktor, weswegen wir nicht im Leistungs­niveau differenzieren und die Wiederholung einer Klassenstufe nicht vorgesehen ist. Viel­mehr wollen wir die gegenseitige Hilfe fördern. Die Klassengemeinschaft bleibt während der gesamten Schulzeit erhalten.

Am Ende jedes Schuljahres wird ein Textzeugnis geschrieben, in dem das Kind von seinen Lehrern in seiner Entwicklung ausführlich charakterisiert wird. Der Schüler erhält jährlich einen neuen Zeugnisspruch, welcher ihn über das kommende Schuljahr hin begleitet.

Zum Abschluss nach acht Schuljahren stellen die Schüler aus individuell gewählten Themen ihre Jahresarbeit vor, erüben und präsentieren auf der großen Schulbühne zusammen ein Theaterstück, das "Klassenspiel" und gehen zum Ende der Klassenlehrerzeit auf eine längere Klassenfahrt. Anschließend wird die Klasse der Oberstufe übergeben.

Epochen in der 3. Klasse


Hausbauepoche

In der dritten Klasse bauen die Schüler mit Hilfe von Eltern und Handwerkern ein kleines Haus. Sie lernen dabei alle Schritte von der Planung bis zur Fertigstellung und Nutzung kennen. Gemeinsam wird das Fundament ausgehoben und gesetzt, die Balken verzahnt und aufgestellt, das Dach gedeckt und Lehmziegel geformt, gemauert und verputzt. Die Schüler eignen sich verschiedene Techniken an, lernen den Umgang mit Werkzeugen und arbeiten Hand in Hand. Nach vier Wochen ist das Hühnerhaus fertig und wird als solches seit 2011 genutzt.

Text: WILKO BRAA


Feldbauepoche

Eines der Schwerpunkt-Themen im dritten Schuljahr bildet der lange Weg „Vom Korn zum Brot“. Dieser wird jedoch nicht nur theoretisch erörtert, sondern den Kindern durch eigene praktische Tätigkeiten im schuleigenen Garten „hautnah“ zum Erleben gebracht.

Mit vereinten Kräften wird der Pflug und die Egge eine ganze Woche lang jeden Morgen von Hand über das Feld gezogen, ehe dann jedes Kind einen Teil der Saat „eigenhändig“ einbringt. Dann folgen die Monate des geduldigen Wartens und aufmerksamen Beobachtens. Im folgenden Sommer wird das Getreide von Hand mit Sense und Sichel geerntet und, in Garben gebunden, zum Trocknen aufgestellt.

Nach den Sommerferien folgt schließlich das mehrtätige Dreschen mit dem Dreschflegel und das Mahlen des Getreides mit der Handmühle. Ein festlicher gestalteter Tag des Backens rundet das gesamte Projekt dann ab und jedes Kind geht mit „seinem eigenen Brot“ nach Hause.

Text: KLAUS KRAMM 2012
Photos: KLAUS KRAMM 2012


Handwerkerepoche

Sehr aufgeschlossen und begeistert verfolgen die Kinder die Handwerker Epoche des dritten Schuljahres. Besuche in der schuleigenen Schmiede und der schuleigenen Töpferei gehören ebenso dazu wie Ausflüge zu Handwerksbetrieben in der Umgebung der Schule, z. B. in eine Gerberei oder zu einem Schuster. Nicht fehlen darf aber auch der Ausflug und Besuch einer noch funktionierenden Mühle, wo sich die Walzen drehen und Korn zu Mehl gemahlen wird. Aber was wäre eine Handwerkerepoche ohne den Besuch bei einem Bäcker und einem Käser? Wer am Ende des Tages seine eigene Butter und seine eigenen Brötchen mit nach Hause nimmt, der versteht mehr von der Welt der Arbeit und der Berufe, als zuvor.

All das wird dann in einem eigenen „Epochenheft“ oder vielleicht sogar in einem selbst gebundenen „Handwerkerbuch“ festgehalten.

Text: KLAUS KRAMM 2012
Photos: KLAUS KRAMM 2012