AB HEUTE HEISST DU SARAH

„Schaut her! Schaut nur her! – Schaut her auf eure Schande ! …” So klang das Lied, im Stile Hans Eislers, komponiert in den 70ern, in der zweiten Hälfte das Spiels. Die 8a führte das Bühnenstück auf am 14. und 15. Dezember als eine gekürzte Fassung des Originals, das ursprünglich für das Grips-Theater in Berlin geschrieben war.

Die Musik, die von R.Jaenicke arrangiert und mit viel Einfühlung in den Spielverlauf eingegliedert war, gab dem Sinn, den Intentionen des Stücks eine besondere „Note”: Solo- sowie die Unisono-Gesänge der Schüler schafften zwischen den bewegten Szenenwechseln berührende Momente der Vertiefung. Desgleichen die feinen Begleitungen durch das Klavier bei dem Monolog der Figur der Inge Deutschkron. Deren Erlebnisse, ihr Blick in die Erinnerungen ihrer Jugendzeit im Berlin unter Hitler und ihre heutige Intention, diese Erinnerungen als Erfahrung der heutigen Jugend zu vergegenwärtigen, bildeten den Anlass und den Inhalt des Stücks.

Die Schüler haben unter der Regie von Marc Maschec, einem ehemaligen Schüler der Schule, die Rollen und Situationen mit großem Engagement und viel Spielfreude erfüllt. Der schnelle Wechsel von Situationen, Musik, Monologen und „Action”-Szenen mochte dem kritischen Theaterzuschauer zuweilen als unruhig, etwas flüchtig erscheinen. Als Erzieher und Pädagogen sahen wir Schüler und Schülerinnen im Übergang von der Kindheit in die Zeit der Individualisierung, der Verwandlung.

Mit Eifer und zuweilen verblüffendem Talent , z.B. in den exponierten Rollen der Inge, des Fotografen, der NS-Beamten u.a. präsentierten sie sich in Sprache und Gebärde als Kinder, Jugendliche, Eltern, junge Erwachsene und Autoritätspersonen in einem authentischen historischen Kontext. Dieser ist in der Schule seit einiger Zeit auch in vorangegangenen Spielen (heutige 9b) thematisiert worden. Es ist also auch ein Stück Geschichtsepoche geschehen, Berührung mit einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die die Eltern schon nicht mehr miterlebten.

Ich fand das Unternehmen sehr gelungen. Von der Auswahl des Stücks, wie sie Klassenlehrer Herr Omlin mit den Schülern durchführte, der Organisation der Regie, über die Verteilung der Rollen bis zur Verknüpfung der vielseitigen Ausarbeitungen der Musik, der Kostüme, des Bühnenbildes u. der Beleuchtung in einem knappen Terminplan mit den Proben im Saal: Im Ergebnis erlebte man begeisterte Beteiligung, gelungene Aufführungen, ohne Suffleu(!!), da wurde auch mal geschickt improvisiert, und letztlich einen dankbaren Abschluss mit Blumen und herzlichem, langem Applaus. Vielen Dank an alle Beteiligten für dieses Projekt!

Text: CHRISTIAN MENZEL 2012