TOUR DE LAURO

Jedes Jahr in den Pfingstferien brechen Schüler beider siebten Klassen zum großen Abenteuer der Tour de Lauro auf, einer Radtour von Überlingen, über die Alpen, durch Italien, bis zum kleiner Ort Lauro 70 km nördlich von Neapel. In diesem Jahr waren es 51 Schüler, die mit 24 Begleitern zu dieser schon weit über die Schule hinaus bekannten Tour aufbrachen.

In Tagesetappen von 80 km bis 170 km fahren die Schüler auf guten Rennrädern und ohne Gepäck in zwei Wochen in kleinen Gruppen von sechs bis sieben Schülern mit jeweils zwei erwachsenen Begleitern. Zunächst geht es den Rhein hoch, durch die beeindruckende Schlucht der Via Mala zum Splügenpass. Jeder Schüler aus den siebten Klassen darf mitfahren, unabhängig von Kraft oder Kondition oder Radfahrübung. Und jeder meistert die großen Herausforderungen der Tour, niemand muss aufgeben. Dafür wird zwischen Ostern und Pfingsten hart trainiert: Jeder Schüler muss in vier Wochen mindestens 1.000 km auf dem Rad absolvieren, davon einen großen Teil in der Gruppe. Das Fahren in der Gruppe auf belebten Straßen wie auch das Bergfahren wird geübt: Einerreihe, Zweierreihe, Kommandos zum sicheren Fahren in der Gruppe - all dies muss gut gekonnt werden, bevor die Tour beginnt.

Ist der Splügenpass bezwungen, geht es bergab zum Comer See, um an einem Campingplatz direkt am See einen Ruhetag zu genießen. Übernachtet wird meist auf Campingplätzen in eigenen Zelten, die in einem Gepäcklaster transportiert werden. Ein eingespieltes Küchenteam bereitet die Mahlzeiten zu. Die Abende sind vergnüglich, ob beim Baden, beim Gitarre- oder Fußballspielen, Jonglieren - jeder kommt auf seine Kosten.

Wer meinte, die Alpen wären die größte Herausforderung, der irrt. Die ewig geraden, vor Hitze flimmernden Straßen der Poebene bis Bologna, Gegenwind, schmerzende Knie oder Hände, Regen oder Sturm, durch den sich die Gruppen unverdrossen kämpfen, sind schwerer zu bewältigen, als der Splügenpass. Und nicht zuletzt die ewigen Berge des Apennin oder der Toskana und die unendlichen Schlaglöcher im Süden Italiens, die die Gruppen immer wieder zum Flicken der Reifen zwingen.

Jeder kommt an seine Grenzen, Erwachsene wie Kinder, an denen man meint, es ginge nicht mehr, man müsse aufgeben. Und doch kommt jeder an. Es ist das Team, das stützt: während des Tages die kleine Gruppe, die zusammen fährt, und insgesamt das große Team der 75 Menschen, die gerade in schwierigen Situationen füreinander da sind. Das Erfahren des Gebens und Annehmens von Hilfe, das unbeschreibliche Gefühl, etwas Großartiges geleistet zu haben, etwas, das man alleine nie geschafft hätte – das bleibt allen unvergessen. Die Siebtklässler nehmen diese Erfahrung mit in die schwierigen Zeiten der Pubertät: die Bestätigung, dass sie gut sind, etwas zu leisten imstande sind, und dass mit der Hilfe anderer noch weit mehr gemeistert werden kann.

Die Tour de Lauro nimmt als erlebnispädagogischer Baustein eine wichtige Rolle im Konzept der Waldorfschule Überlingen ein: Lernen am praktischen Tun, an sich selber und am Menschen gegenüber. Wer mehr erfahren will findet unter www.tour-de-lauro.de einen ausführlichen Bericht der diesjährigen Tour und kann im Schulbüro einen 2011 gedrehten Film über die Tour bestellen.

Markus Heyerhoff
(Elternschaft und Mitglied der Schulführung 2009-2012)


Bericht im Tour-Magazin

Internetseite der Tour: http://www.tour-de-lauro.de/home/index.html