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Geschichte der Schule

Alles beginnt bei einem Spaziergang...

Mai 1970

Die Idee zur Gründung unserer Schule entsteht bei einem Spaziergang: Siegfried Schmock und Manfred Hahn, der spätere Schulgründer, unternahmen ihn in Rengoldshausen. Das war im Mai 1970. Siegfried Schmock leitet zu der Zeit als Heilpädagoge das Troxlerhaus in Wuppertal. Er arbeitet an der Entwicklung von Werkstätten und der Schulung von Werkstattleitern für seelenpflegebedürftige Erwachsene. Manfred Hahn, damals 36 Jahre alt, ist Sozialpädagoge und Betriebsberater in Stuttgart. Als Mitarbeiter des „NPI 3“ leitet er verschiedene Kurse für Führungskräfte verschiedenster Industriebetriebe. Dabei geht es um das Erüben sozialer Fähigkeiten zum Ziele produktiver Zusammenarbeit. In dieser Erwachsenenbildung macht er die einschlägige Erfahrung, dass zunächst allerorts Begeisterung entsteht, dann jedoch meistens eine gewisse Resignation folgt, weil das Neugewonnene in den Betrieben mit ihren eingefahrenen Strukturen nicht im erhofften Maße umgesetzt werden kann. Darin begründet liegt Manfred Hahns Interesse auf die Waldorfpädagogik, in der um eine zukünftige Gestaltung der Oberstufen und um Formen einer fruchtbaren Zusammenarbeit in den Kollegien gerungen wird. Im Gespräch der beiden Freunde entsteht der Impuls, eine neue Schule zu gründen, die versucht, hier neue Wege zu gehen. Manfred Hahns anfänglichem Zögern, da er kein Lehrer sei, begegnet Siegfried Schmock mit dem Zuspruch, die müsse er sich eben suchen. Die Idee war aufgeleuchtet, der Entschluss gefasst, der Ort war Rengoldshausen am Bodensee. Dort gab es auf der geographischen Karte der Waldorfschulen noch einen weißen Fleck.

Ein Impuls nimmt Gestalt an

Frühsommer 1970

Die Schulplanung beginnt im Frühsommer 1970: Manfred und Dr. Cornelia Hahn, unsere spätere Schulärztin, laden zu regelmäßigen Treffen in ihr Haus in Stuttgart ein. Dort kommen Menschen aus verschiedenen Berufsbereichen, keinesfalls nur LehrerInnen, zusammen, die sich für die Idee einer Schulgründung begeistern und bereit sind, sie zu begleiten und zu unterstützen. So werden „fern vom Bodensee“ die Zukunftspläne entwickelt. Bei Besuchen am Bodensee treffen die Gründungswilligen auf eine Elterninitiative, die ebenfalls den Wunsch nach einer Waldorfschule in der Region hegen. Dieses unerwartete Zusammentreffen auf ein gleiches Ziel ausgerichteter Intentionen löst auf beiden Seiten Überraschung, Freude, Staunen und wahre Begeisterung aus: Nun kann nichts mehr die Beteiligten stoppen.

Der erste Elternabend

Sommer - Herbst 1970

Noch am gleichen Abend des Kennenlernens findet nach einer spontanen Telefonaktion in einer gedrängten Runde der „Ur-Elternabend“ statt. Es entsteht große Einigkeit darin, dass eine auf allseitige Freiwilligkeit gebaute Schule sich nur durch ein starkes, aktives Engagement der Eltern entwickeln könne.

Die Arbeit beginnt

Herbst 1970

So übernehmen die Eltern „der ersten Stunde“ bereitwillig die Organisation der zukünftigen Elternarbeit bis zum Beginn der Schule. Die Aufgaben sind vielfältig: Es gilt Orte, Räume, Termine zu organisieren, Fragestellungen der Eltern zu beantworten, Bekanntmachungen zu verbreiten und vieles mehr. Die GründungslehrerInnen versprechen, rund um den westlichen Bodensee in wechselnder Besetzung für Gespräche zur Verfügung zu stehen. So folgen ab Herbst 1970 rund vierzig Elternabende, ein Teil davon dort in „Übersee“, wie scherzhaft gesagte wird, die übrigen am „Nordufer“, zumeist in Überlingen, aber auch in Friedrichshafen, Ravensburg und auf der Höri.

Der erste Schultag

Eine große Anzahl Kinder kommt von den MitarbeiterInnen der umliegenden heilpädagogischen Institute auf die künftige Schule zu, sodass sie am 13. September 1972 mit 162 Kindern in den ersten vier Klassenstufen eröffnet werden kann. Untergebracht sind die Klassen zunächst in Holzbaracken. Die 4. Klasse hat wegen der großen Nachfrage vom ersten Tag an eine Parallelklasse. Die Kinder kommen aus einem weiten Umkreis, der damals noch Singen im Westen, Friedrichshafen im Osten, Ravensburg im Norden und Konstanz im Süden umfasst.