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Religionsunterricht

Als eine der Grundlagen der Waldorfpädagogik kann die Orientierung Rudolf Steiners gelten, dass jeder gute Unterricht eine religiöse Dimension haben sollte. Damit meinte er nicht, dass bestimmte Inhalte des Religiösen in die verschiedenen Unterrichte einbezogen werden sollten. Er zielte vielmehr auf die im Unterricht entstehende Stimmung des Staunens gegenüber der Welt in ihrer Vielfalt, der Demut gegenüber den  großen Zusammenhängen, die man im Unterricht denken lernt und schließlich der Gewissheit, dass mein wachsendes Verständnis etwas für die Welt bedeutet und ich Verantwortung dafür trage. Diese „Gemütsqualitäten“ beschreibt er ausführlich als förderlich für die gesamte Entwicklung des Kindes, sowohl in geistig – seelischer, als auch in leiblicher Hinsicht. So ist das religiöse Element an der Waldorfschule eine pädagogische und keine weltanschauliche Grundlage.

Im Hinblick auf den Religionsunterricht als solchen gilt das eben Gesagte natürlich auch: die Waldorfschule misst ihm vom pädagogischen her eine zentrale Bedeutung bei, hält sich aber in Bezug auf die Inhalte ganz zurück. Von Beginn an war klar: der Religionsunterricht ist ein „exterritorialer Unterricht“, d. h. er wird „von außen“, aus der sonstigen Lebenswelt des Kindes, in die Schule hereingetragen. Am Anfang waren es die Religionslehrer der katholischen und evangelischen Kinder, die für den Unterricht in die Schule kamen. Da die erste Waldorfschule viele konfessionslos gewordene Arbeiterkinder unterrichtete, entstand das Bedürfnis, auch für diese Kinder etwas Entsprechendes einzurichten. Die damit beauftragten Lehrer gehörten fast durchweg dem Schulkollegium an, verstanden sich aber von Beginn an in dieser Aufgabe ebenso wie ihre konfessionellen Kollegen  als „exterritorial“: sie gaben diesen Unterricht, den „Freien Religionsunterricht“, im Auftrag der Anthroposophischen Gesellschaft. Und schließlich kamen zu diesen drei Gruppierungen noch die Kinder und Lehrer hinzu, die sich mit der in dieser Zeit entstehenden Christengemeinschaft verbunden fühlten.

An dieser Grundkonstellation hat sich seitdem nichts geändert. Auch an unserer Schule teilen sich die Klassen für die Religionsstunde in die Gruppen auf, denen sich die Kinder und ihre Eltern zugehörig fühlen: den evangelischen und katholischen Unterricht, der, bedingt durch die Gruppengrößen, oft gemeinsam erteilt wird, den freien Religionsunterricht und den Unterricht der Christengemeinschaft.